Ein Denkanstoß des BBPV-Beauftragten für Antidoping/Ethik
Antidoping- Eine Einführung
Der BBPV Baden-Württemberg steht für sauberen Sport und spricht sich gegen die Zuhilfenahme unerlaubter Substanzen aus. Auf nationaler Ebene wird die Entscheidung darüber, welche Mittel erlaubt respektive nicht erlaubt sind von der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) festgelegt. Die Einhaltung der festgelegten Regeln wird von dieser Stelle kontrolliert. Von der NADA wird eine umfassende Medikamentendatenbank (NADAmed) geführt, in der der Status sowohl rezeptfreier als auch rezeptpflichtiger Substanzen abgefragt werden kann. Sollte ein Sportler/eine Sportlerin aufgrund von ärztlicher Verordnung auf ein dopingrelevantes Präparat angewiesen sein, so kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Ausnahmegenehmigung für die Einnahme ausgestellt werden. Diese kann auch nachträglich vorgelegt werden. Um Redundanzen zu vermeiden, wird für die Recherche von Details zu diesem Thema auf die DPV-Seite (DPV-NADA/ Antidoping) verwiesen. Momentan finden Doping Kontrollen in unserem Sport lediglich auf nationaler Ebene statt, so muss bei Bundesligaspielen und Deutschen Meisterschaften mit Dopingkontrollen gerechnet werden. Zudem hat der DPV das Motto «Kein Alkohol- keine Drogen-keine Probleme» ausgegeben und der BBPV Baden-Württemberg setzt zudem auf die Eigenverantwortung der Ausrichter.
Neulich im Lorettowald – Eine wahre Geschichte
Es war gutes Wetter – eine Gruppe Boulespieler traf sich am Sonntag in der Seestrasse in Konstanz am Bodensee zu einer Partie Boule. Einige Passanten kamen vorbei und blieben für einen Moment stehen und beäugten das bunte Kugeltreiben interessiert. “Ein schönes Spielchen!”, sagte ein Mann mittleren Alters zu mir. “Seid ihr oft hier?”, fragte er mich. “Nein, wir spielen meistens auf unserem Vereinsgelände in der Bücklestrasse,” antwortete ich. “Ach, da gibt es richtige Vereine?”, ein Lächeln huschte über sein Gesicht,
“Das ist ja nett, da treffen sich also ein paar alte Männer, um in Ruhe ein paar Gläschen Rotwein und Pastis zu geniessen und dabei Boule zu spielen.” “Für uns ist es ein Sport. Wir spielen in Ligen gegen andere Vereine, es geht um Ab- und Aufstieg, genau wie in anderen Sportarten auch,” entgegnete ich ein wenig gereizt. Der Mann fing an zu lachen. “Sport!, das ist gut. Das muss ich mir merken. Dann kann die Frau zu Hause auch nichts sagen, das ist viel besser als nur am Stammtisch zu sitzen. Da möchte ich auch mitmachen.” Zum Glück musste ich das Gespräch unterbrechen, da es an mir war, die nächste Kugel zu werfen. Etwas verärgert machte ich mich auf den Weg in den Wurfkreis.
Unser Sport in der Schmuddelecke?
Die grosse Masse der Nicht-Bouler hat ein ähnliches Bild von unserem Sport wie der oben beschriebene Spaziergänger: Boule, da treffen sich ein paar alte Menschen im Park, um in Ruhe ein Glas Rotwein oder Pastis zu trinken und nebenbei etwas Beschäftigung zu haben. Als Resultat davon leidet das Ansehen unseres Spiels und dessen Anerkennung als Sportart.
Die Fakten
Alkohol
Alkohol steht seit dem 1. Janaur 2018 nicht mehr auf der Dopingliste der Nada. Der deutsche Pétanque Verband (DPV) hat jedoch festgelegt, dass während eines Spieles von den beteiligten Spielerinnen und Spielern weder Alkohol konsumiert noch geraucht
werden darf. Dies wird bei offiziellen Turnieren, aber auch in allen Spielklassen von der Kreisliga bis hinauf in die Bundesliga praktiziert. Was jedoch vor und nach einem Spiel passiert, das ist jedem freigestellt. In der Praxis sieht es so aus, dass eine größere Zahl von SportlerInnen im Laufe eines Turniertages erhebliche Mengen von Alkohol zu sich nimmt. Inwiefern Alkohol die sportliche Leistung eines Boulespielers beeinflusst, darüber gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Niemand, der einmal Alkohol zu sich genommen hat,
wird jedoch abstreiten, dass Alkohol Einfluss auf die beim Boule so wichtige mentale Verfassung nimmt. Das kann sowohl ein positiver Einfluss (z.B. kurzfristig beruhigend) als auch ein negativer Einfluss sein. (z.B. schneller ermüdende Konzentrationsfähigkeit)
Es ist durchaus möglich, dass Alkohol ein Boulespiel positiv beeinflusst. Alkohol wirkt auf viele Menschen lockernd und entspannend. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor beim Boule Spielen ist Lockerheit. Von daher liegt die Vermutung nahe, dass man durch Alkoholeinfluss zumindest kurzzeitig bessere Ergebnisse erzielen kann. Ein Selbstversuch des ehemaligen deutschen Nationalspielers Jannik Schaake aus dem Jahre 2019 gibt Beispiel dafür, nachzulesen auf seiner Internetseite.
Cannabis
Cannabis ist seit dem 1. April 2024 in Deutschland teilweise legalisiert, steht aber nach wie vor auf der Verbotsliste der WADA und ist bei uns während des gesamten Spielbetriebs verboten. Die Einnahme von Cannabis ist 100 Meter rund um den Sportplatz nicht erlaubt. Studien beschrieben, dass Cannabis schmerzhemmend, entspannungsfördernd und stressabbauend wirkt und dazu beitragen kann die optimale mentale Einstellung zum Spiel zu erreichen. Ein positiver Test kann zu Sperren führen.
Rauchen
Rauchen ist auf dem Spielgelände verboten. Im BBPV haben wir deshalb rauchfreie Zonen eingerichtet. Die Einnahme von Nikotin kann kurzzeitig die Entspannung fördern und Stress reduzieren.
Mein Standpunkt
Sowohl der DPV als auch der BBPV Baden-Württemberg betrachten unser Spiel als Sport und haben zum Ziel, auch der Öffentlichkeit ein solches Bild zu vermitteln. Dazu passt es nicht, wenn Boule Spielen mit Alkoholkonsum in Verbindung gebracht wird. Um diesem
Ziel näher zu kommen, wurde in der Vergangenheit einiges getan und erreicht. Ein weiterer guter Schritt in diese Richtung wäre meiner Meinung nach ein Alkoholverbot für Spielerinnen und Spieler während der Turniere, die von nationaler Bedeutung sind. Dazu würde ich die deutschen Meisterschaften der verschiedenen Disziplinen als auch die Qualifikationen für diese Meisterschaften zählen. Daneben sollte
das Verbot zumindest auch für die höchste Spielklasse, die Bundesliga, gelten und am besten auch gleich für die höchste Spielklasse des Verbandes, die BaWü-Liga sowie die Landesmeisterschaften.
Darüber hinaus ist es meiner Meinung nach ein Gebot der Fairness, während der Ligaspiele auch der unteren Spielklassen mindestens so lange abstinent zu bleiben, wie man noch am Spielgeschehen teilnimmt. Das ist meine persönliche Meinung. Dieser Beitrag möchte ich als Appell verstanden wissen und zur Auseinandersetzung mit dem Thema Alkohol beim Boule anregen. Noch zu erwähnen ist die besondere Verantwortung des BBPV zum Schutz der anwesenden Kinder und Jugendlichen. Ich möchte diesen Beitrag als Appell verstanden wissen und zur Auseinandersetzung mit dem Thema Alkohol beim Boule anregen. Abschliessend ein paar Fragen als Anregung zur persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema.
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Wie sieht mein eigenes Trinkverhalten aus?
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Kann ich beim Boule Spielen auf Alkohol verzichten?
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Möchte ich in einer Sportart aktiv sein, die den Konsum von Alkohol und damit die Verbreitung von Alkoholismus mindestens toleriert, vielleicht sogar fördert?
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Würde ich es für gutheissen, wenn jemand Beruhigungstabletten nimmt, um besser Boule zu spielen?
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Warum möchte ich ggfs. nicht, dass beim Boulespielen auf Alkohol verzichtet werden muss?
Ich freue mich auf euren Feedback und die Diskussionen.
Euer Harry Mangold Antidoping/Ethik-Beauftragter
Ein Blick in andere Verbände
Der Niedersächsische Pétanque Verband (NPV) geht seit diesem Jahr in Deutschland voran und verbietet während der Wettkämpfe von Landesmeisterschaften und Ranglistenturnieren den Verzehr von Alkohol. In der Schweiz wurde zur Imageverbesserung kürzlich eine 0,25 Promille- Grenze eingeführt. In Frankreich gilt schon seit dem 1. Januar 2019 eine 0,5 Promille- Grenze.
Noch ein Blick über den Tellerrand: In der Darts-Bundesliga dürfen die Spieler während des Spieltags ausschließlich Wasser trinken.